Üssere Fisistock (2946m)

July 18th, 2009

Die eher schlecht gelaunten Wettergötter ringten sich am Donnerstag netterweise zu einen Schönwetter-Fenster durch, bevor sie ihrem Ärger am Freitag wieder freien Lauf liessen. So befanden Muriel und ich, uns in die Höhen um Kandersteg zu verdrücken. Wir erklärten den Üsseren Fisistock (2946m), dessen imposante Nordwände massgeblich zur wilden Kulisse von Kandersteg beitragen, zum Tagesziel.

Wir starteten beim Hotel Doldenhorn im Talboden. Die ersten paar hundert Höhenmeter konnten wir mit moderatem Schweissfluss schattseitig im Wald absolvieren, bevor wir die idyllische Fisialp erreichten. Von hier aus zeigte sich unser Tagesziel erneut. Diesmal von nah. Nicht aber minder imposant – man durfte gespannt sein.

Nun verliessen wir den Wanderweg und stiegen über reich dekorierte Wiesen zum steilen Einstieg des steinigen Brünnlitälis auf. Dieses zieht sich zwischen Innerem und Üsserem Fisistock empor und ist an Einsamkeit und Ursprünglichkeit kaum zu übertreffen. Wir trafen den ganzen Tag keine Menschenseele, wurden aber vom Pfeiffkonzert der Murmeltiere begleitet, beobachteten Steinböcke und sogar den Flug eines Adler-Paares. Selbst um diese Jahreszeit liegen noch grosse Restschneefelder im Brünnlital, auf welchen man häufig einfacher aufsteigt als auf dem Geröll. Wir hatten einen Pickel im Gepäck, der gelegentlich gute Dienste tat, jedoch nicht unverzichtbar war.

Im steilen Ausstieg aus dem Tal, kurz vor der Gratkante, verlässt man das Geröllfeld nach links und ersteigt über einen gut gestuften Felsriegel die kleine Hochebene beim Fisipass. Von hier eröffnet sich einem der umwerfende Blick auf die vergletscherte Balmhorn-Nordwand, sowie auf das Kleindoldenhorn und den Doldenstock, der von hier aussieht als hätte ihn ein riesiger Bulldozer aufgestossen. Ein Geröllband querend erreicht man den steinigen Gipfelhang. Beim Betreten des höchsten Punktes verspürte ich in Anbetracht der Felswände, die von den Expositionen Nordwest bis Ost gegen 500m vertikal in die Tiefe schiessen, ein kurzes Kribbeln in der Bauchgegend. Bald wich dieses Gefühl aber dem Hunger und wir genossen ein ausgedehntes Picknick an delikater Lage.

Beim Durchblättern des Gipfelbuchs zeigt sich, dass der Berg selten Besuch kriegt. Was hier in einem Jahr an Einträgen zusammenkommt, könnte andernorts an einem Tag entstehen. Das aktuelle Buch fristet seit beinahe einem Vierteljahrhundert sein einsames Dasein am Gipfelkreuz (erster Eintrag geht auf August 1985 zurück) und ersetze das spurlos verschwundene Gipfelbuch aus dem Jahre 1920.

Wir planten, den heissen Tag am kalten Öschinensee ausklingen zu lassen und beschlossen daher, wieder durchs Brünnlitäli abzusteigen (die Route übers Halpi ins Gasterntal wäre die Alternative gewesen… die kommt ein andermal noch dran). Die Schneefelder bescherten uns rasante Abfahrten auf den Schuhsohlen, welche in den steilen Passagen gelegentlich etwas ausser Kontrolle zu geraten drohten :-)

Leider war die Zeit dann doch schon so fortgeschritten, dass wir direkt nach Kandersteg runter mussten. Der Üssere Fisistock ist mit gegen 1800 Höhenmetern und z.T. etwas beschwerlichem Geröll ein “Beisser” (genügend Wasser mitführen). Ein anspruchsvoller, einsamer Wandergipfel, der an die Substanz geht, aber dennoch in allen Belangen lohnenswert ist.

In Erinnerung an Cyrill

June 19th, 2009

Erst einige Tage nach dem Lawinenniedergang am Piz Palü vom 13. Juni habe ich vernommen, dass es sich bei den Verunglückten um Cyrill Rüegger und seine Freundin Tanja handelte. Ich kannte beide nicht persönlich, jedoch sehr wohl von den Bergtouren-Online-Plattformen; vorallem von hikr.org. Seit ich selber auf Berge steige habe ich mich an Cyrills perfekt aufbereiteten Tourenberichten bereichert, habe manche Tour aufgrund seiner Kommentare und Fotos in Angriff genommen (oder auch sein gelassen), und erachtete ihn stets als wertvollstes Mitglied der Community. Ein eindrückliches Zeugnis seiner Leidenschaft für den Bergsport sind die fast 1000 Gipfel (davon 35 verschiedene Viertausender), auf welchen er in den vergangenen nur sieben Jahren stand. Seine Bereitschaft, die Eindrücke seiner Touren zu teilen, wird weit über seinen tragischen Tod hinaus einer Vielzahl von Alpinisten und Bergwanderern eine wertvolle Hilfe sein.

Die Erde im Ausnahmezustand: The Home Project

June 16th, 2009

Am 5. Juni wurde der lange angekündigte Dokumentarfilm Home des französischen Fotografen und Journalisten Yann Arthus-Bertrand veröffentlicht. Es handelt sich um das Portrait eines geschundenen Planeten. Die Produktion kostete Millionen von Euro und trotzdem hat man es geschafft, den Film gratis im Internet anzubieten. Er zeigt atemberaubende Naturaufnahmen, aber auch, wie der Mensch sich am Planeten und somit auch an sich selbst vergeht. Schaut euch diesen Streifen auf Youtube in HD und in voller Länge an! Hier der Trailer.

Das Warten auf die Sohle

June 11th, 2009

Nun ist der Sommer da und mit ihm auch meine Freizeit wieder. Jetzt könnte die Bergsaison eigentlich richtig losgehen, wenn da nicht noch die Bergschuhe fehlen würden. Diese befinden sich in freudiger Erwartung auf eine neue Sohle seit geraumer Zeit ausser Haus. Entweder ist Vibram im Zuge der Krise der Gummi ausgegangen oder der Schuhmacher hat den Winter nicht überstanden… Um die quasi-Slicks auf der Unterseite meiner Turnschuhe legitimieren zu können, halte ich mich vorläufig verantwortungsvoll an die Wanderwege. So geschehen in den letzten Tagen: je einmal Niesen, Simmenfluh, Cheibehorn und Stockhorn. Viermal AHV-Route. Viermal war’s trotzdem schön. Und obendrein erst noch CO2-neutral (Anfahrt mit dem Bike, jaja)!

Snowboard-Saisonschluss auf dem Tierhorn

June 10th, 2009

Lange ist’s her seit dem letzten Post – eine kurze Aufdatierung: Der Frühling – kaum begonnen, schon zerronnen. Es gab viel zu tun für mich, leider wenig davon draussen. Anstatt mit Snowboard und Schneeschuhen loszuziehen und auf den Abfahrten den letzen Sulz in den Aprilhimmel zu sprayen, beschränkte ich mich aus zeitlichen Gründen oft genügsam mit dem Gang durch die Schlüsselblüemli-Wiesen. Nachträglich noch ein paar Bilder vom Tierhorn (2894m). Dies war die letzte nennenswerte Tour des Winters (13. April). Eigentlich stand an diesem Tag das Wildstrubel-Nord-Couloir auf dem Programm. Aufgrund der Samstag-Abend-Aktivität einiger Expeditions-Mitglieder musste man aus Sicherheitsgründen jedoch auf die Tierhöri-Variante ausweichen. Das Nord-Couloir wird in die Planung der nächsten Saison übernommen :-)

Draussen neu auf fünf Beinen unterwegs

March 20th, 2009

ricardo.ch – eine Plattform, auf der eine ganze Nation lernte und erlebte, was es wirklich heisst, wenn der Markt spielt. Ein pulsierender Marktplatz, auf dem auch ich, meines Zeichens ein frühes Kind der “Generation Internet”, während langen Jahren alles menschenerdenkliche zu Barem gemacht habe. Doch die letzten Überbleibsel der einstigen Goldgräberstimmung verspüren heute wohl nur noch die Business Partners, an welche ricardo seine Seele vor einiger Zeit verkauft hat ;) Wo früher jedes noch so obskure Verkaufsobjekt seine authentische Geschichte erzählen konnte, verdecken einem heute zahllose Fixpreis-Artikel die Sicht auf das vielgepriesene Schnäppchen. Meistens. Gelegentlich flammt der alte Geist der Plattform kurz wieder auf. So auch kürzlich, als ich für sechs Stutz ein wohl etwa zwanzigjähriges aber einwandfreies, grundsolides Dreibein-Stativ mit allem, was man so braucht, erstanden habe.

Schon lange hege ich Pläne für schöne Langzeit- und Mehrfachbelichtungen. Bei der Feuertaufe, die kurz vor dem letzten Vollmond im Engadin stattfand, konnte ich unter etwas erschwerten Bedingungen erste Ergebnisse erzielen. Wenn der Schnee jedoch so tief ist, dass auch die längsten Stativ- und Menschenbeine nie auf festen Grund stossen, macht dies das Experimentieren nicht einfacher… Weitere Nachtaufnahmen werden sicher folgen.

Zum Jahreswechsel tiefster Engadiner-Winter

January 8th, 2009

Zwischen Weihnachten und Neujahr nahm ich vom Berner Oberland aus wieder einmal den langen Weg ins Oberengadin unter die Füsse resp. die Rollen. Eine Reise quasi vom Kühlschrank in die Tiefkühltruhe der Schweizer Berggebiete. Auf erfrischende minus 25.6 Grad hinunter sackte das Quecksilber in Samaden in der Nacht vor meiner Abreise.

Muriel und ich fanden ein hüfthoch verschneites Dorf Madulain vor – endlich wieder mal das Gefühl, an einem Ort zu sein, wo Winter noch richtige Winter sind. Ausgerüstet mit Kamera, einer halben Armada von Thermo-Leibchen, Schneeschuhen und dem Snowboard verbrachten wir viel Zeit an der kalten Winterluft und starteten veritabel und Silvester-Party-stressfrei ins 2009.

Was war, was wird

January 4th, 2009

Die snowplow post erlebte ihr erstes Silvester. Allen Lesern – sofern die Suchmaschinen-Bots und ich nicht die einzigen sind – wünsche ich ein frohes neues Jahr.

Bezüglich meinen bergsteigerischen Unterfangen war 2008 mit 28 Touren u.a. zu sieben Dreitausendern und einem Viertausender ein – für meine Verhältnisse – intensives Jahr. In der Hoffnung, mit den Artikeln gelegentlich Interesse zu wecken und auch im neuen Jahr viele spannende Besteigungen erleben und fotografieren zu können, werde ich den Blog im gleichen Stil fortführen.

Nahtloser Saisonübergang

November 23rd, 2008

Der Winter kündigte sich an – und er kam. Der Schnee fiel dieses Wochenende wie bestellt zum Saisonstart der Lenker Wallegg. In der Folge hatte ich statt Bergschuhen heute ein erstes Mal seit Juli wieder ein Snowboard an den Füssen. Die ersten Powderturns sind gezogen und die Bergsteigsaison 2008 ist – zumindest für mich – somit wohl abgeschlossen.

Den Schlusspunkt habe ich letzes Wochenende mit einer vorwinterlichen Besteigung des Drunengalms (2408m) gesetzt. Kräftiger Wind und Schnee machten den sonst unschweren Aufstieg zu einem ziemlichen Murks. Dies war mit ein Grund dafür, dass ich erst kurz vor Sonnenuntergang auf dem Gipfel stand. Den Abstieg bestritt ich folglich leider mehrheitlich bei Finsternis, genoss aber vorher eine unglaublich schöne Sonnenuntergangsstimmung. Ein würdiger Abschluss einer für mich ausgibigen Saison!

Die Freisetzung des unerschrockenen Steinbocks naht

October 20th, 2008

Intrepid Ibex – so heisst das jüngste Kind von Canonical. Am 30. Oktober ist es soweit: Pünktlich wie immer, genau 6 Monate nach dem letzten Release, wird Ubuntu 8.10 freigegeben. Eine weitere gute Gelegenheit für alle, die sich von ihren proprietären Betriebssystemen entfesseln wollen, auf ein freies OS zu wechseln.

Interpid Ibex enthält den Linux Kernel 2.6.27, welcher eine Reihe von Verbesserungen verspricht, insbesondere im Bereich von WLAN- und Webcam-Treibern. Ausserdem mit an Bord ist z.B. der neuste X-Server X.org 7.4, der neue NetworkManager 0.7 mit 3G-Unterstützung, sowie GNOME 2.24. Wer nicht bis am 30. warten mag, kann sich jetzt schon die Beta-Version herunterladen.