Snowboarder-Bubentraum: Die Niesen W-Flanke

Ein Projekt, welches unter meinen (Exil-)Wimmiser-Kollegen seit Jahren, bald Jahrzehnten, immer wieder aufgegriffen wird ist die Winterabfahrt vom Niesen über seine mehr als 800m hohe Westflanke. Angepackt hat man das Vorhaben dann aber doch nie – bis jetzt.

Letzten Freitag: Die Lawinensituation ist günstig. Mir warten nahrhafte 1700 Höhenmeter. Bald ist klar, dass ich der erste bin, der sich heuer dem Niesen annimmt. Daraus folgt primär viel Spurarbeit. So wühle ich mich mit meinen für tiefen Pulver nicht gerade zweckmässigen Schneeschuhen langsam den Hang hoch. Einen Schritt vorwärts, einen halben zurück… Beim angeschlagenen Tempo habe ich keine Chance auf den Gipfel. So kommt es zur Planänderung: Ich stoppe beim Obere Stalden (1704m), versorge mein Snowboard dort in einem Stall und gehe wieder runter. So ist für morgen bereits gespurt und ich werde ohne das Gewicht des Snowboards schnell wieder aufsteigen können.

Samstag. Ich muss noch einmal ran. Beim Obere Stalden bin ich dank der Spur von gestern nun in weniger als zwei Stunden. Ab da gehts in der regelmässigen Flanke hoch. Immer schön steil, warm und sonnig. Die Wasserflasche ist schon jetzt leer. Ich versuche, abgeblasene Stellen auszumachen, auf welchen die Schneeschuhe besser greiffen und auf welchen in der Falllinie aufgestiegen werden kann. Dazwischen aber immer wieder tiefer Pulver, der mir zunehmend an die Substanz geht. Nach vier Stunden schliesslich doch auf dem Gipfel, ziemlich K.o.. Grandiose Rundsicht von den Hochalpen über das verschneite Mittelland bis zum Jurabogen. Die Abfahrt über die W-Flanke war einzigartig. Weiter unten wirds zunehmend eng und steinig. Ein paar Kratzer im Belag erwische ich noch, die meine tiefe Befriedigung nach der schönen und für mich speziellen Tour aber in keinster Weise schmälern können.

Nachtrag vom 9. Februar: Gestern hat sich auf der hier beschriebenen Route ein Unfall ereignet (Bericht Berner Oberländer). Ein Mann wurde von einer Lawine verschüttet, konnte aber gerettet werden. Die Lawinengefahr war auf Stufe 3 (erheblich), welche nur bedingt kompatibel mit dieser Tour ist. Per Definition ist die W-Flanke ein Steilhang. Bei Stufe 3 ist die Schneedecke in einem solchen häufig nur mässig bis schwach verfestigt.

One Response to “Snowboarder-Bubentraum: Die Niesen W-Flanke”

  1. Ändä Says:

    Geilooo;-) aber hesch ja widr mau glueck ka het d lawina no gwartet;-)

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