Archive for August, 2009

Das Dach des Wilden Westens: Balmhorn (3698m)

Sunday, August 9th, 2009

Diese Woche wurde eines meiner dringlichsten alpinistischen Ziele Realität: Ich stand auf der (mit knapp 3700m) höchsten Erhebung der westlichen Berner Alpen, auf dem Balmhorn (je nach Quelle wird die Höhe auch mit über 3700m angegeben – das Gipfelkreuz steht unterhalb einer Schneekuppe, die manchmal wohl nicht mitgemessen wird). Seit Langem betrachte ich diesen Berg von verschiedensten Seiten und wusste, dass ich da demnächst mal rauf muss.

Begleitet hat mich auf dieser Tour mein Vater. Wir erreichten den Gipfel in zwei Tagen über die Normalroute (Zackengrat-Schwarzgletscher, WS). Am Dienstag stiegen wir mit schwerem Gepäck zunächst zum Biwakplatz auf, welchen wir über den Sunnbüel, die Spittelmatte und anschliessend über die riesige Moräne des einst mächtigeren Schwarzgletschers erreicht hatten. Das Zelt schlugen wir auf dem allerletzen Stück Grünfläche neben der Moräne auf (ca. 2290m). Dieses Fleckchen wurde nachweisbar schon vor 16 Jahren von Gruefi benutzt und hat von seinem ursprünglichen Glanz nichts eingebüsst ;-) Einzig der Blick hinauf zu den Hängegletschern des Rinderhorns ist nicht mehr der selbe wie damals.

Nach einer kurzen, von Ungeduld geprägten Nacht verliessen wir das Biwak um 4:30 Uhr und stiegen im Licht der Stirnlampen zuerst auf der Moräne empor, später über den von Schutt überdeckten unteren Teil des Schwarzgletschers. Genau wie geplant, gelangten wir bei Tagesanbruch an den Fuss des Steilhangs, welcher auf den Zackenpass (3036 m) führt. Der über 300 hm 40-45° steile und im oberen Teil mit Blankeis durchsetzte Hang brachte die Pumpe erstmals so richtig in Fahrt. Schön war’s trotzdem, das Knirschen der Steigeisen im Firn wieder einmal zu hören.

Auf dem Zackengrat erwarteten uns die ersten Sonnenstrahlen und ein unglaubliches Panorama auf die Walliser Alpen. Nach einer Pause nahmen wir den Zackengrat unter die Füsse, welcher um diese Jahreszeit weitgehend schneefrei und unschwierig zu begehen ist. Er steigt mässig steil an, wodurch man die Morgenstimmung so richtig geniessen konnte. Doch bald war wieder Schluss mit Gemütlichkeit: Erneut wurden die “Klämmerli” montiert und auf ging’s über die knapp 400m hohe, kräfteraubende Firnflanke hoch zum Vorgipfel. Dieser erhabene, in der Morgensonne badende Hang zeigte uns unsere konditionellen Grenzen auf, so dass ich mir mit zunehmender Höhe ein paar rote Blutkörperchen mehr gewünscht hätte.

Auf dem mit Neuschnee gezuckerten Vorgipfel angekommen, galt es nur noch, in einen kleinen Sattel abzusteigen und über einen kurzen Schneegrat die letzten Meter zum Hauptgipfel zu meistern. Dieser wartete, alles rundum überragend, mit fantastischer Rundsicht auf. Nach Norden eröffnete sich einem der Blick zum Thunersee und nach Osten ins Jungfraugebiet. Über tausend Meter tiefer, direkt unter unseren Füssen, der Lötschenpass. Noch einmal tausend Meter weiter unten das Gasterntal, an dessen Abschluss der Kanderfirn glänzte. Nicht zu sagen, was man von da oben alles sah :-)

Der Abstieg verlief weitgehend reibungslos. Einzig der Abstieg vom Zackenpass war im oberen Teil etwas tricky (wird wohl eher schlechter bis Ende Sommer). Dennoch war das Balmhorn für mich ein grosses Erlebnis! Solange die Verhältnisse mittelprächtig bis gut sind, kann man das Seil, die Eisschrauben und einige andere Klettergurt-Dekorationen getrost zu Hause lassen. Wir haben einiges vergebens hochgetragen.