Archive for the ‘Mountaineering’ Category

Als Warm-up aufs “Chumi”

Sunday, January 24th, 2010

Meine Snowboard-Tourensaison hat begonnen, wenn auch die Schneemengen bisweilen unterdurchschnittlich sind für die Jahreszeit. Zum Angewöhnen war ich auf dem Chumigalm (2125m): Eine durchwegs einfache Tour, die auch bei nicht optimaler Lawinensituation in Betracht gezogen werden kann. Einzig der relativ steile Gipfelhang geht wohl als WS durch. Das “Chumi” ist auch super mit dem ÖV zu machen: Mit dem Zug bis Zweisimmen (947m), fünf Minuten über den Flugplatz spazieren und gleich ennet der Simme der Nase nach hoch…

Während dem Aufstieg eröffnen sich schöne Blicke ins Saanenland und ins Spillgertenmassiv. Die Aussicht auf dem Gipfel ist in Anbetracht der doch eher bescheidenen Höhe erstaunlich. Auch eindrücklich war die riesige Gipfelwächte, die man beim Gipfelzwipf besser neben statt unter sich hat ;-) Die Abfahrt war dann erwartungsgemäss ein Wechselbad der Gefühle und der Verhältnisse. Der Gipfelhang ziemlich abgeblasen und ruppig, anschliessend feinste Powderpassagen, unterhalb von ca. 1550m Bruchharst und ganz unten ein Tänzeln zwischen Schnee und Gras.

Das Dach des Wilden Westens: Balmhorn (3698m)

Sunday, August 9th, 2009

Diese Woche wurde eines meiner dringlichsten alpinistischen Ziele Realität: Ich stand auf der (mit knapp 3700m) höchsten Erhebung der westlichen Berner Alpen, auf dem Balmhorn (je nach Quelle wird die Höhe auch mit über 3700m angegeben – das Gipfelkreuz steht unterhalb einer Schneekuppe, die manchmal wohl nicht mitgemessen wird). Seit Langem betrachte ich diesen Berg von verschiedensten Seiten und wusste, dass ich da demnächst mal rauf muss.

Begleitet hat mich auf dieser Tour mein Vater. Wir erreichten den Gipfel in zwei Tagen über die Normalroute (Zackengrat-Schwarzgletscher, WS). Am Dienstag stiegen wir mit schwerem Gepäck zunächst zum Biwakplatz auf, welchen wir über den Sunnbüel, die Spittelmatte und anschliessend über die riesige Moräne des einst mächtigeren Schwarzgletschers erreicht hatten. Das Zelt schlugen wir auf dem allerletzen Stück Grünfläche neben der Moräne auf (ca. 2290m). Dieses Fleckchen wurde nachweisbar schon vor 16 Jahren von Gruefi benutzt und hat von seinem ursprünglichen Glanz nichts eingebüsst ;-) Einzig der Blick hinauf zu den Hängegletschern des Rinderhorns ist nicht mehr der selbe wie damals.

Nach einer kurzen, von Ungeduld geprägten Nacht verliessen wir das Biwak um 4:30 Uhr und stiegen im Licht der Stirnlampen zuerst auf der Moräne empor, später über den von Schutt überdeckten unteren Teil des Schwarzgletschers. Genau wie geplant, gelangten wir bei Tagesanbruch an den Fuss des Steilhangs, welcher auf den Zackenpass (3036 m) führt. Der über 300 hm 40-45° steile und im oberen Teil mit Blankeis durchsetzte Hang brachte die Pumpe erstmals so richtig in Fahrt. Schön war’s trotzdem, das Knirschen der Steigeisen im Firn wieder einmal zu hören.

Auf dem Zackengrat erwarteten uns die ersten Sonnenstrahlen und ein unglaubliches Panorama auf die Walliser Alpen. Nach einer Pause nahmen wir den Zackengrat unter die Füsse, welcher um diese Jahreszeit weitgehend schneefrei und unschwierig zu begehen ist. Er steigt mässig steil an, wodurch man die Morgenstimmung so richtig geniessen konnte. Doch bald war wieder Schluss mit Gemütlichkeit: Erneut wurden die “Klämmerli” montiert und auf ging’s über die knapp 400m hohe, kräfteraubende Firnflanke hoch zum Vorgipfel. Dieser erhabene, in der Morgensonne badende Hang zeigte uns unsere konditionellen Grenzen auf, so dass ich mir mit zunehmender Höhe ein paar rote Blutkörperchen mehr gewünscht hätte.

Auf dem mit Neuschnee gezuckerten Vorgipfel angekommen, galt es nur noch, in einen kleinen Sattel abzusteigen und über einen kurzen Schneegrat die letzten Meter zum Hauptgipfel zu meistern. Dieser wartete, alles rundum überragend, mit fantastischer Rundsicht auf. Nach Norden eröffnete sich einem der Blick zum Thunersee und nach Osten ins Jungfraugebiet. Über tausend Meter tiefer, direkt unter unseren Füssen, der Lötschenpass. Noch einmal tausend Meter weiter unten das Gasterntal, an dessen Abschluss der Kanderfirn glänzte. Nicht zu sagen, was man von da oben alles sah :-)

Der Abstieg verlief weitgehend reibungslos. Einzig der Abstieg vom Zackenpass war im oberen Teil etwas tricky (wird wohl eher schlechter bis Ende Sommer). Dennoch war das Balmhorn für mich ein grosses Erlebnis! Solange die Verhältnisse mittelprächtig bis gut sind, kann man das Seil, die Eisschrauben und einige andere Klettergurt-Dekorationen getrost zu Hause lassen. Wir haben einiges vergebens hochgetragen.

Üssere Fisistock (2946m)

Saturday, July 18th, 2009

Die eher schlecht gelaunten Wettergötter ringten sich am Donnerstag netterweise zu einen Schönwetter-Fenster durch, bevor sie ihrem Ärger am Freitag wieder freien Lauf liessen. So befanden Muriel und ich, uns in die Höhen um Kandersteg zu verdrücken. Wir erklärten den Üsseren Fisistock (2946m), dessen imposante Nordwände massgeblich zur wilden Kulisse von Kandersteg beitragen, zum Tagesziel.

Wir starteten beim Hotel Doldenhorn im Talboden. Die ersten paar hundert Höhenmeter konnten wir mit moderatem Schweissfluss schattseitig im Wald absolvieren, bevor wir die idyllische Fisialp erreichten. Von hier aus zeigte sich unser Tagesziel erneut. Diesmal von nah. Nicht aber minder imposant – man durfte gespannt sein.

Nun verliessen wir den Wanderweg und stiegen über reich dekorierte Wiesen zum steilen Einstieg des steinigen Brünnlitälis auf. Dieses zieht sich zwischen Innerem und Üsserem Fisistock empor und ist an Einsamkeit und Ursprünglichkeit kaum zu übertreffen. Wir trafen den ganzen Tag keine Menschenseele, wurden aber vom Pfeiffkonzert der Murmeltiere begleitet, beobachteten Steinböcke und sogar den Flug eines Adler-Paares. Selbst um diese Jahreszeit liegen noch grosse Restschneefelder im Brünnlital, auf welchen man häufig einfacher aufsteigt als auf dem Geröll. Wir hatten einen Pickel im Gepäck, der gelegentlich gute Dienste tat, jedoch nicht unverzichtbar war.

Im steilen Ausstieg aus dem Tal, kurz vor der Gratkante, verlässt man das Geröllfeld nach links und ersteigt über einen gut gestuften Felsriegel die kleine Hochebene beim Fisipass. Von hier eröffnet sich einem der umwerfende Blick auf die vergletscherte Balmhorn-Nordwand, sowie auf das Kleindoldenhorn und den Doldenstock, der von hier aussieht als hätte ihn ein riesiger Bulldozer aufgestossen. Ein Geröllband querend erreicht man den steinigen Gipfelhang. Beim Betreten des höchsten Punktes verspürte ich in Anbetracht der Felswände, die von den Expositionen Nordwest bis Ost gegen 500m vertikal in die Tiefe schiessen, ein kurzes Kribbeln in der Bauchgegend. Bald wich dieses Gefühl aber dem Hunger und wir genossen ein ausgedehntes Picknick an delikater Lage.

Beim Durchblättern des Gipfelbuchs zeigt sich, dass der Berg selten Besuch kriegt. Was hier in einem Jahr an Einträgen zusammenkommt, könnte andernorts an einem Tag entstehen. Das aktuelle Buch fristet seit beinahe einem Vierteljahrhundert sein einsames Dasein am Gipfelkreuz (erster Eintrag geht auf August 1985 zurück) und ersetze das spurlos verschwundene Gipfelbuch aus dem Jahre 1920.

Wir planten, den heissen Tag am kalten Öschinensee ausklingen zu lassen und beschlossen daher, wieder durchs Brünnlitäli abzusteigen (die Route übers Halpi ins Gasterntal wäre die Alternative gewesen… die kommt ein andermal noch dran). Die Schneefelder bescherten uns rasante Abfahrten auf den Schuhsohlen, welche in den steilen Passagen gelegentlich etwas ausser Kontrolle zu geraten drohten :-)

Leider war die Zeit dann doch schon so fortgeschritten, dass wir direkt nach Kandersteg runter mussten. Der Üssere Fisistock ist mit gegen 1800 Höhenmetern und z.T. etwas beschwerlichem Geröll ein “Beisser” (genügend Wasser mitführen). Ein anspruchsvoller, einsamer Wandergipfel, der an die Substanz geht, aber dennoch in allen Belangen lohnenswert ist.

In Erinnerung an Cyrill

Friday, June 19th, 2009

Erst einige Tage nach dem Lawinenniedergang am Piz Palü vom 13. Juni habe ich vernommen, dass es sich bei den Verunglückten um Cyrill Rüegger und seine Freundin Tanja handelte. Ich kannte beide nicht persönlich, jedoch sehr wohl von den Bergtouren-Online-Plattformen; vorallem von hikr.org. Seit ich selber auf Berge steige habe ich mich an Cyrills perfekt aufbereiteten Tourenberichten bereichert, habe manche Tour aufgrund seiner Kommentare und Fotos in Angriff genommen (oder auch sein gelassen), und erachtete ihn stets als wertvollstes Mitglied der Community. Ein eindrückliches Zeugnis seiner Leidenschaft für den Bergsport sind die fast 1000 Gipfel (davon 35 verschiedene Viertausender), auf welchen er in den vergangenen nur sieben Jahren stand. Seine Bereitschaft, die Eindrücke seiner Touren zu teilen, wird weit über seinen tragischen Tod hinaus einer Vielzahl von Alpinisten und Bergwanderern eine wertvolle Hilfe sein.

Das Warten auf die Sohle

Thursday, June 11th, 2009

Nun ist der Sommer da und mit ihm auch meine Freizeit wieder. Jetzt könnte die Bergsaison eigentlich richtig losgehen, wenn da nicht noch die Bergschuhe fehlen würden. Diese befinden sich in freudiger Erwartung auf eine neue Sohle seit geraumer Zeit ausser Haus. Entweder ist Vibram im Zuge der Krise der Gummi ausgegangen oder der Schuhmacher hat den Winter nicht überstanden… Um die quasi-Slicks auf der Unterseite meiner Turnschuhe legitimieren zu können, halte ich mich vorläufig verantwortungsvoll an die Wanderwege. So geschehen in den letzten Tagen: je einmal Niesen, Simmenfluh, Cheibehorn und Stockhorn. Viermal AHV-Route. Viermal war’s trotzdem schön. Und obendrein erst noch CO2-neutral (Anfahrt mit dem Bike, jaja)!

Snowboard-Saisonschluss auf dem Tierhorn

Wednesday, June 10th, 2009

Lange ist’s her seit dem letzten Post – eine kurze Aufdatierung: Der Frühling – kaum begonnen, schon zerronnen. Es gab viel zu tun für mich, leider wenig davon draussen. Anstatt mit Snowboard und Schneeschuhen loszuziehen und auf den Abfahrten den letzen Sulz in den Aprilhimmel zu sprayen, beschränkte ich mich aus zeitlichen Gründen oft genügsam mit dem Gang durch die Schlüsselblüemli-Wiesen. Nachträglich noch ein paar Bilder vom Tierhorn (2894m). Dies war die letzte nennenswerte Tour des Winters (13. April). Eigentlich stand an diesem Tag das Wildstrubel-Nord-Couloir auf dem Programm. Aufgrund der Samstag-Abend-Aktivität einiger Expeditions-Mitglieder musste man aus Sicherheitsgründen jedoch auf die Tierhöri-Variante ausweichen. Das Nord-Couloir wird in die Planung der nächsten Saison übernommen :-)

Nahtloser Saisonübergang

Sunday, November 23rd, 2008

Der Winter kündigte sich an – und er kam. Der Schnee fiel dieses Wochenende wie bestellt zum Saisonstart der Lenker Wallegg. In der Folge hatte ich statt Bergschuhen heute ein erstes Mal seit Juli wieder ein Snowboard an den Füssen. Die ersten Powderturns sind gezogen und die Bergsteigsaison 2008 ist – zumindest für mich – somit wohl abgeschlossen.

Den Schlusspunkt habe ich letzes Wochenende mit einer vorwinterlichen Besteigung des Drunengalms (2408m) gesetzt. Kräftiger Wind und Schnee machten den sonst unschweren Aufstieg zu einem ziemlichen Murks. Dies war mit ein Grund dafür, dass ich erst kurz vor Sonnenuntergang auf dem Gipfel stand. Den Abstieg bestritt ich folglich leider mehrheitlich bei Finsternis, genoss aber vorher eine unglaublich schöne Sonnenuntergangsstimmung. Ein würdiger Abschluss einer für mich ausgibigen Saison!

Überschreitung der Simmenfluh

Saturday, October 4th, 2008

Die Besteigung der Simmenfluh gehört bestimmt nicht zu den grossen alpinistischen Unterfangen in der Region. Die 800hm durch die felsige und ausgesetzte aber unproblematische SW-Flanke finde ich aber auch nach der x-ten Besteigung immer wieder lohnend. Letzten Sonntag überschritt ich die drei Gipfel Sonnighorn, Mittagflue und Hinterhorn von Osten nach Westen.

Seit die Simmenfluh letztes Jahr in Folge eines Artikels im SAC-Magazin “Die Alpen” einen Popularitätsschub erfuhr, scheinen Bestrebungen im Gang zu sein, den Aufstieg mit zusätzlichem Sicherungsmaterial und Markierungen zu entschärfen. In einem Kamin im Schlussaufstieg zum Sonnighorn wurde jetzt wohl sogar eine ganze Felsstufe abgebrochen, um den Weg zum Gipfel zu erleichtern. Eine derartige Entwicklung widerstrebt mir – ebenso der ganze Hype um die Klettersteige. Mich nervt die Tatsache, dass Berge, deren Besteigungen über dem eigenen Niveau liegen, nicht als unbesteigbar akzeptiert werden können. Im Gipfelverzeichnis von Roman Koch sind 5′730 Schweizer Gipfel über 2000m eingetragen – da sollte es ja wohl für jeden was dabei haben. Mein Unverständnis gilt nicht punktuellen Entschärfungen von gefährlichen Stellen, sondern den Tendenzen in unserer Freizeitgesellschaft, alles jedem ermöglichen zu müssen. Nicht dass ich die Gipfelerlebnisse anderen nicht gönnen würde. Es geht um Entehrung von Bergen, Schmälerung der Wildnis und Erschliessung von Rückzugsgebieten für ein zu grosses Publikum. Ein Problem, das viele Gesichter hat und hier wohl nicht das letzte mal thematisiert wurde.

Solo-Besteigung Lagginhorn (4010m)

Friday, September 5th, 2008

Vor etwa zwei Wochen habe ich das erste mal über das 4010m hohe Lagginhorn oberhalb von Saas Grund gelesen. Eine nahezu spaltenfreie Gletscherquerung und Kletterstellen, die den zweiten Grad nie übersteigen, beinhalte eine Besteigung. Von da an wurde ich den Gedanken an eine Solo-Besteigung nicht mehr los. Meine bis anhin leere Liste von erklommenen Viertausendern gleich mit einem Alleingang zu beginnen fand ich zwar bedenklich, meine Vorabklärungen brachten aber dann doch nichts zu Tage, was mich davon abhalten sollte.

So kam es, dass ich letzten Dienstag Abend kurz vor Sonnenuntergang bei den Weissmieshütten SAC stand. Angenehme Platzverhältnisse in der mässig besetzten Hütte verhalfen zu etwas Schlaf. Mit einer gesunden Portion Respekt schritt ich dann kurz vor fünf Uhr in die sternenklare Nacht hinaus. Es sollte noch eine Stunde dauern bis es langsam hell wurde. Bei Tagesanbruch gelangte ich zum Laggingletscher. Ein paar Spalten waren wider Erwarten zu sehen, man müsste sich jedoch Mühe geben, reinzufallen. Heikler scheint die bröckelnde Felswand über dem Gletscher, in der es schon am Morgen früh donnerte. Gelegentlich scheint sich ein Stein bis auf die Route zu verirren. Helm tragen ist also angesagt (auch weiter oben)!

Man ersteigt den im Spätsommer weitgehend aperen W-Grat, dem man anschliessend bis zum Gipfel folgt. Er birgt ein paar leichte Klettereien (I-II), die gelegentlich auch südlich umgangen werden können. Da der Berg bei Anbruch der Nacht noch im Nebel lag, waren die Steine am Morgen mit einer rutschigen Reifschicht überzogen, was die Bewältigung des eigentlich unschwierigen Grates etwas delikater machte. Die letzten paar Hundert Meter zum schmalen Gipfel führten über nun steilere Firnfelder, die mit Blankeisstellen nicht geizten. Also ein zweites Mal Steigeisen montieren. Als gemütliches Ausklingen des Aufstiegs empfand ich diese Passage nicht, tröstete mich aber damit, dass mich ein Seilpartner im Fall eines Sturzes wohl auch nicht halten könnte. Bei gutem Trittschnee wäre die Besteigung sicher einfacher.

Auf den letzten Metern verflog die Anspannung dann doch als plötzlich eine wunderschöne Spur zu den Gipfelfelsen führte. Die Aussicht war grandios: Im Westen die Mischabel mit den grössten Gipfeln des Landes, im Norden die Berner Hochalpen u.a. mit dem freistehenden Bietschhorn und von Ost bis Süd ein endloses Meer von vergleichsweise kleinen Bergspitzen des Tessins, des Val d’Ossola und was da sonst noch ist…

Ich sah den Erfolg meines Solo-4000er-Projekts in greifbare Nähe rücken. Wobei so “solo” war es zeitweise auch wieder nicht: Ich teilte den Gipfel mit drei anderen Bergsteigern, was die Kapazität schon fast ausschöpfte. Als dann nach einer Weile noch zwei italienische Bergführer mit ihrem Klientel eintrafen drohte der Seilsalat und ich machte mich euphorisch-konzentriert auf den Abstieg. Man war ja erst oben wenn man wieder unten ist. Und abzusteigen gab’s genug: von über 4000m auf 1559m zum Postauto und dies nun mit einigem Gegenverkehr. Die hatten zwar im Unterschied zu mir Sonne im Aufstieg, dafür werden sie auf dem Gipfel wie Büchsensardellen eingepfercht gewesen sein.

Während die meisten Besteigungen im Kreuzboden, 2440m, mit einer Gondelbahnfahrt enden, wollte ich als Verfechter des Human-Powered-Alpinismus (kein offizieller Begriff ;-) ) undbedingt bis zur Talsohle absteigen. Der Weg ins Tal ist zwar gemütlich, aber verläuft in der Nähe der Weissmieshütten in schrecklicher, planierter Schneekanonen-Landschaft. Ein Glück, dass ich mir dies in der morgendlichen Finsternis abseits des Stirnlampen-Lichtkegels nicht ansehen musste.

Dies tat dem Erlebnis “Lagginhorn 2008″ aber keinen Abbruch mehr. Nach 11 Std. 50 min. Beinarbeit erreichte ich Saas Grund, genau 24 Stunden nachdem ich dort losgegan war. Hinter mir eines der für mich ganz grossen und unvergesslichen Bergerlebnisse.

Piz Albris (3166m) und Piz Languard (3262m)

Thursday, August 14th, 2008

Mein in diesen Sommerferien bereits zweiter Aufenthalt im Oberengadin ist schon wieder Geschichte und mit ihm wohl auch die hochsommerlichen, alpinen Aktivitäten (zumindest lassen dies die Wettervorhersagen berfürchten). Während ich mit Retu und Thömu im Juli im Celerina weilte, war ich dieses mal bei Muriel in Madulain zu Besuch. Kernstück unserer Zeit dort oben war ein zweitägiger Trip auf die Gipfel des Piz Albris (3166m) und des Piz Languard (3262m).

Durchs Val da Fain kommend bestiegen wir am Samstag zuerst den Piz Albris, welcher uneingeschränkte Aussicht auf die Bernina-Gruppe bietet. Anschliessend stiegen wir auf die 2848m hohe Fuorcla Pischa hinunter und steuerten die Georgy-Hütte (in der Nacht eher Georgy-Sägerei oder Georgy-Kühlhaus) am Piz Languard an. Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichten wir den Gipfel, verbrachten in der Folge eine kalte Nacht im Betten-Lager der 3200m hoch gelegenen Capanna und standen zum Sonnenaufgang bereits ein zweites Mal auf dem höchsten Punkt. Ein schönes Schauspiel der Natur, den Tag so erwachen zu sehen!

Nach dem Frühstück machten wir uns gleich auf den Abstieg da wir einen weiten Weg vor uns hatten: zuerst zur Segantini-Hütte, dann durchs Val Muragl, über die Fuorcla Muragl ins Val Prüna und schliesslich durchs Val Chamuera bis zur “home base” nach Madulain. Eine weite aber extrem schöne und ab der Fuorcla Muragl auch sehr einsame Wanderung bei bestem Spätsommerwetter.